Rund um das zweite Lebensjahr hören viele Eltern von einer bekannten und oft gefürchteten Phase: der Trotzphase. Zwischen plötzlichen Wutanfällen, kategorischem Nein-Sagen und einem überbordenden Wunsch nach Unabhängigkeit… kann dieser Abschnitt häufig den Eindruck erwecken, dass plötzlich alles schwieriger wird.
Doch hinter diesem manchmal so intensiven Ausdruck verbirgt sich eine viel nuanciertere Realität: Dein Kind wird nicht von einem Tag auf den anderen schwierig – es durchläuft einfach eine wichtige Phase seiner Entwicklung.
Bei Tajinebanane wollten wir deshalb ein wenig mehr Sanftheit und Verständnis in diese oft undurchsichtige Zeit bringen. Denn besseres Verstehen hilft, gelassener voranzukommen. Und vor allem: Denke daran, dass jedes Kind, jeder Elternteil und jede Geschichte einzigartig ist.
Die „Trotzphase“: Wovon sprechen wir eigentlich?
Wichtig ist zu verstehen, dass dieses Verhalten nicht gegen Dich gerichtet ist. Es ist weder bloße Trotzreaktion noch ein „Ausprobieren von Grenzen“ im üblichen Sinn. Vielmehr ist es Ausdruck eines sich noch entwickelnden Gehirns, das lernt, mit Emotionen umzugehen – die auch für das Kind selbst noch sehr überwältigend sein können.
Warum die „Krise mit zwei Jahren“ völlig normal ist
Um den zweiten Geburtstag herum entdeckt das Kind, dass es eine eigenständige Person ist, getrennt von seinen Eltern. Dieses Bewusstsein ist grundlegend, kann aber auch verunsichernd sein. Es geht vor allem mit einem sehr starken Bedürfnis nach Autonomie einher, das manchmal im Widerspruch zu den tatsächlichen Fähigkeiten des Kindes steht.
Kurz gesagt: Dein Kind versucht, seine Fähigkeit zu wählen und Entscheidungen zu treffen zu bestätigen.
Die Phase der „Terrible Two“ ist außerdem eine Zeit, in der sich Vorlieben sehr schnell verändern. Ein Lebensmittel, das gestern noch geliebt wurde, kann heute kategorisch abgelehnt werden. Ein T-Shirt, das letzte Woche problemlos getragen wurde, kann plötzlich völlig inakzeptabel erscheinen. Auch wenn diese Veränderungen den Eindruck von Unberechenbarkeit erwecken, gehören sie vor allem zur normalen Entwicklung Deines Kindes.
Und da sich die Sprache noch entwickelt, fällt es dem Kind oft schwer, Bedürfnisse, Wünsche oder Frustrationen auszudrücken. Das Ergebnis: Wenn Worte nicht ausreichen, sprechen die Emotionen. Dabei sollte man nicht vergessen, dass diese für Dein Kind ebenso intensiv und unvorhersehbar sein können wie für Dich selbst.
Unsere Tipps, um die Krisen zu bewältigen, ohne dem Druck nachzugeben
In diesen Momenten kann der Druck von überall kommen – sei es durch die Blicke anderer, ungebetene Ratschläge oder auch durch diese kleine innere Stimme, die manchmal Zweifel sät. Das Wichtigste ist zu verstehen: Es gibt keine perfekte Reaktion auf einen Wutanfall!
Bewahre vor allem Ruhe (so gut es geht). Dein Kind braucht in erster Linie das Gefühl, dass Du da bist und stabil bleibst, auch wenn es selbst es gerade nicht ist. Ideal ist es, es zu begleiten, ohne die Situation zu verstärken. Manchmal reicht es schon völlig aus, einfach nur an seiner Seite zu sein.
Wenn Du gelegentlich bei „Trotzreaktionen“ nachgibst, solltest Du Dich nicht schuldig fühlen. Zwischen Müdigkeit, Zeitmangel und dem jeweiligen Kontext ist das Wichtigste eine gewisse grundlegende Konsequenz in dem Rahmen, den Du setzt. Denn hinter jedem guten Rat und jeder pädagogischen Empfehlung stehen vor allem Lebensmomente, die nicht planbar sind. Vertraue also auf Dich selbst!
Bei Tajinebanane hat uns Diane zum Beispiel von diesem Morgen erzählt, an dem Martin in die Kita ging – mit zwei unterschiedlichen Schuhen, je einer pro Fuß. Warum? Weil er unbedingt beide tragen wollte! Warum also zwischen dem einen oder dem anderen wählen? Und an diesem Tag war die Entscheidung zwischen engem Zeitplan und fehlender Energie zum Verhandeln einfach: es wurde erlaubt. 👟🎒
Solche Situationen mögen harmlos erscheinen oder sogar zum Schmunzeln bringen, erfordern aber im Moment viel Anpassungsfähigkeit. Anpassung, Geduld und Loslassen werden Deine besten Verbündeten sein.
Denke daran: In dieser Phase kann nicht alles kontrolliert werden – sei daher nachsichtig mit Dir selbst.
Im eigenen Tempo voranschreiten – fern von Etiketten
Der Begriff „Terrible Two“ kann dieser Phase, die man oft schon im Voraus fürchtet, manchmal ein negatives Bild verleihen. Doch hinter den eher „vulkanischen“ Momenten bringt diese Krise auch echte Augenblicke der Entdeckung, der Selbstbehauptung und erste Schritte in Richtung Autonomie mit sich.
Übrigens: Denke daran, dass die Krisen Deines Kindes in der „Terrible Two“-Phase auch durch verschiedene Faktoren verstärkt werden können – wie Müdigkeit, Krankheit oder veränderte Gewohnheiten. Um das Ausmaß dieser Krisen zu „begrenzen“, sollten Schlaf und Routinen nicht unterschätzt werden, da sie in einer Zeit großer Umbrüche viel Sicherheit geben können.
Und auch wenn manche Kinder diese Phase deutlicher und andere sie eher sanft durchlaufen, ist das Wichtigste, sich daran zu erinnern: Jedes Kind erlebt diese Zeit auf seine eigene Weise. Vergleiche Deine Erfahrung niemals mit der anderer – und erst recht nicht mit idealisierten Erzählungen, die man sehen oder hören kann. Deine eigene Geschichte ist vollkommen normal.
Mehr als eine Herausforderung solltest Du diese Phase als Zeichen einer wichtigen Entwicklung Deines Kindes sehen. Und keine Sorge: Es wird sich immer wieder beruhigen!
Kurz gesagt: Die „Terrible Two“ sind keine Phase, die man um jeden Preis fürchten muss, sondern eine Übergangszeit – manchmal tatsächlich intensiv, aber völlig normal in der kindlichen Entwicklung. Gleichzeitig ist es auch eine spannende Phase: Du erlebst zum ersten Mal, wie Dein Kind beginnt, sich in seiner eigenen Welt zu behaupten – und das ist etwas sehr Schönes.
Mit Verständnis, einem sicheren Rahmen und viel Wohlwollen (sowohl gegenüber Deinem Kind als auch Dir selbst) lässt sich diese Phase viel sanfter durchleben, als man oft denkt.
Wenn Du gerade mittendrin steckst oder es bald soweit ist: bleibe gelassen. Du tust Dein Bestes – und das ist das Wichtigste. 💛
-
Geschrieben von Bertrand Lamy
@tajinebanane.de