Interview: Worte einer Hebamme

Anlässlich des Internationalen Hebammentags wollten wir die Arbeit von Hebammen in den Mittelpunkt stellen. Dafür haben wir Hortense getroffen, die nach acht Jahren in der Geburtsklinik Les Bluets in Paris heute freiberuflich in Bordeaux innerhalb der „Tribu du Bonheur“ arbeitet. Neben ihrem Beruf als Hebamme ist sie außerdem Sophrologin und Akupunkteurin, um Frauen eine ganzheitliche Begleitung anbieten zu können.

Interview : Paroles de Sage-Femme

Zunächst einmal: Warum sagt man im Französischen eigentlich „sage-femme“?

Der Begriff „sage-femme“ bezieht sich auf das Wissen („Weisheit“), das man über Frauen und alles rund um die Frauengesundheit hat. Es ist die Kunst der Hebammenkunde. Anders als oft angenommen, bezieht sich das Wort „Frau“ hier auf die Patientin und nicht auf die Fachperson (ein Mann, der diesen Beruf ausübt, wird daher ebenfalls „sage-femme“ oder „maïeuticien“ genannt).

Kannst Du eine Hebamme aufsuchen, auch wenn Du nicht schwanger bist oder keinen Kinderwunsch hast?

Ja – und das sollte viel bekannter sein! Die Hebamme ist Spezialistin für Frauengesundheit – von der Pubertät bis zu den Wechseljahren. Sie kann Deine gynäkologische Vorsorge übernehmen: Verhütung, Abstriche, schmerzhafte Perioden, Harnwegsinfekte oder Zyklusstörungen. Sie arbeitet eng mit Gynäkolog:innen zusammen und wird Dich weiterverweisen, wenn eine Erkrankung außerhalb ihres Kompetenzbereichs liegt. Oft ist sie eine leichter zugängliche Alternative zu einem Termin bei einer Gynäkologin oder einem Gynäkologen in der Stadt.

Ist es normal, kein Fan von der Schwangerschaft zu sein?

Ja, absolut – und das ist völlig okay. Eine Schwangerschaft ist eine enorme hormonelle, körperliche und psychische Veränderung, und jede erlebt sie anders. Hormone, die wir nicht kontrollieren können, beeinflussen das Erleben stark. Außerdem bringt eine Schwangerschaft oft viele unbewusste Themen an die Oberfläche. Man sagt manchmal sogar, dass eine Schwangerschaft zehn Jahre Therapie ersetzt, weil sie so vieles aus der eigenen Geschichte oder der Beziehung zur Mutter wieder hervorholt. Wenn Du Dich nicht wohlfühlst, zögere nicht, Dir Unterstützung zu holen und darüber zu sprechen.

Was macht Dir im Kreißsaal am meisten Angst?

Am meisten Respekt hat man vor Notfällen und unvorhersehbaren Komplikationen, die man nicht kontrollieren kann. Gleichzeitig wird alles dafür getan, sie zu vermeiden, und Hebammen arbeiten eng mit Gynäkolog:innen zusammen, um solche Situationen gemeinsam zu bewältigen.

Die verrückteste Anekdote

Hortense erinnert sich an eine Geburt während ihres Praktikums in Französisch-Guayana. Eine Frau kam rennend durch den Flur, und das Baby kam „wie eine Kanonenkugel“ zur Welt. Das Neugeborene war so glitschig, dass Hortense es im letzten Moment auffangen konnte, bevor es zu Boden fiel. Ein unglaublich intensiver und schneller Moment, der ihr bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

Tabufrage: Macht wirklich jede beim Gebären Kacka?

Hortense erinnert sich an eine Geburt während ihres Praktikums in Französisch-Guayana. Eine Frau kam rennend durch den Flur, und das Baby kam „wie eine Kanonenkugel“ zur Welt. Das Neugeborene war so glitschig, dass Hortense es im letzten Moment auffangen konnte, bevor es zu Boden fiel. Ein unglaublich intensiver und schneller Moment, der ihr bis heute im Gedächtnis geblieben ist.

Ist es schlimm, wenn ich nicht stillen möchte?

Überhaupt nicht. Auch wenn Stillen viele Vorteile für das Baby hat, ist das Wichtigste, dass Du Dich wohlfühlst. Ein Baby ist viel glücklicher mit einer entspannten und erfüllten Mama, die das Fläschchen gibt, als mit einer Mama, die sich zum Stillen zwingt, Schuldgefühle hat oder leidet. Es ist eine persönliche Entscheidung, die Du gegebenenfalls mit Deinem Co-Parent besprechen kannst. Du kannst Deine Meinung auch in letzter Minute ändern oder Alternativen wie Mischstillen oder Abpumpen wählen. Wichtig ist, auf Dich selbst zu hören und Dich gemeinsam mit Deiner Hebamme gut zu informieren, um eine bewusste Entscheidung treffen zu können.

Yasmine - 1m64 - S

Ein großes Dankeschön an den Beruf der Hebamme

Es ist ein faszinierender Beruf mit unglaublich viel Sinn – auch wenn er intensiv und manchmal schwierig ist. Frauen in ihrer Gesundheit zu begleiten, Paare auf ihrem Weg zum Elternsein zu unterstützen und bei diesen besonderen Lebensmomenten dabei zu sein, ist ein großes Geschenk. Wie Hortense sagt:

„Wir geben uns mit ganzem Herzen… Genau das lässt uns für diesen Beruf brennen.“