Interview mit Julie • Brustkrebsmonat Oktober 2026

JULIE

Gründerin von Les Franjynes
Patin unserer Aktion zum Brustkrebsmonat Oktober 2026

Mit 27 Jahren erhielt Julie die Diagnose Brustkrebs. Aus dieser schweren Erfahrung entstand ein Projekt: Les Franjynes – Turbane, Haarfransen und Haarkränze für Frauen, die ihre Haare verloren haben. Zehn Jahre später erzählt sie uns von ihrer Geschichte mit dem Brustkrebs.

1 – Hallo Julie, kannst Du Dich kurz vorstellen und uns von Deiner Geschichte mit dem Brustkrebs erzählen?

Julie: Vor zehn Jahren wurde bei mir Brustkrebs im Grad 3 diagnostiziert. Es folgten 18 Monate Behandlung mit 24 Chemotherapien, zwei Operationen, 40 Bestrahlungen und fünf Jahren Hormontherapie.

Ich bin die Gründerin der Marke Les Franjynes – das ist übrigens auch das, was ich hier auf dem Kopf trage: Turbane, Haarfransen und Haarkränze für Menschen, die ihre Haare vollständig verloren haben, insbesondere durch eine Chemotherapie.

2 – Wie hast Du erfahren, dass Du Brustkrebs hast?

Julie: Ich hatte einen sehr aggressiven Brustkrebs und war damals 27 Jahre alt. Als ich krank wurde, dachte ich mir: Jetzt ist der Moment, das zu tun, worauf ich wirklich Lust habe.

Entdeckt wurde der Krebs bei einem Termin bei meinem Gynäkologen. Er ertastete einen Knoten in meiner Brust und verschrieb mir zunächst eine Creme, die überhaupt nicht dafür geeignet war… Drei Wochen später war der Knoten dreimal so groß. Daraufhin wurde meine Brust genauer untersucht – und es stellte sich heraus, dass es Krebs war.

Dann begannen die Behandlungen, die insgesamt 18 Monate dauerten. Während dieser Zeit war ich krankgeschrieben.

3 – Was haben Deine Brüste vor der Krankheit für Dich bedeutet?

Julie: Vor meiner Erkrankung waren meine Brüste und das, wofür sie für mich standen, sehr wichtig. Schon als kleines Mädchen habe ich Frauen mit großen Brüsten gezeichnet – warum, weiß ich selbst nicht. Sie haben mich irgendwie schon immer fasziniert.

Meine Mutter erzählt dazu bis heute eine Geschichte, über die wir immer noch lachen: Als ich klein war, saß ich im Auto, das Fenster war offen, und eine Frau mit sehr großen Brüsten ging vorbei. Ich sagte zu ihr: „Guten Tag, Sie haben große Titties!“ (lacht)

Wenn meine Mutter und ich heute darüber sprechen, finden wir es schon verrückt, dass ausgerechnet ich später Brustkrebs bekommen habe.

Mein Verhältnis zu meinen Brüsten war wirklich ziemlich kompliziert, vor allem wegen der Blicke anderer. Und dann kam eines Tages der Krebs und hat alles verändert. Plötzlich siehst Du Deine Brüste mit ganz anderen Augen: Du möchtest vor allem, dass sie wieder da sind.

Interview de Julie • Octobre Rose 2026

4 – Wie ist Dein Brustwiederaufbau verlaufen?

JULIE – Es hat Jahre gedauert, bis ich meine Brust habe rekonstruieren lassen. 2015 hatte ich Krebs, 2016 waren die Behandlungen abgeschlossen, und erst vor knapp zwei Jahren habe ich mich für den Brustwiederaufbau entschieden.

Ich hatte es einfach satt, ständig angefasst zu werden. Deshalb habe ich all die Jahre mit einer Brust gelebt, die etwas mehr als zwei Körbchengrößen kleiner war als die andere, weil mir die Hälfte des Brustdrüsengewebes entfernt worden war. Das war okay. Und jetzt habe ich sie rekonstruieren lassen – und das ist auch okay. Ich bin sehr zufrieden. Für mich hat das einen Schlussstrich unter diese ganze Geschichte gezogen. Ich fühle mich immer wohler mit mir selbst und finde mich auch immer schöner – durch all die Erfahrungen, die das Leben mir mitgegeben hat: durch die Krankheit, aber auch durch das Muttersein.

5 – Hat sich Dein Verhältnis zum Muttersein verändert, nachdem Du Brustkrebs hattest?

Julie: Mein Gynäkologe hatte mir gesagt, dass meine Chancen auf eine natürliche Schwangerschaft ungefähr so groß seien wie ein Lottogewinn. Eines Tages hatte ich plötzlich seltsame Symptome und dachte, ich sei wieder krank. Also ging ich zu meinem Arzt und wollte ein MRT. Ich sagte ihm: „Irgendetwas stimmt nicht. Meine Brust tut weh und ich bin völlig erschöpft.“ Daraufhin sagte er: „Ich glaube, wir machen erst einmal einen Schwangerschaftstest.“ Und tatsächlich war ich ganz natürlich schwanger geworden – mit einem kleinen Mädchen namens Bowie. Das Leben hält das Schlimmste genauso wie das Schönste bereit.

6 – Was gibt Dir das Gefühl, schön zu sein?

Julie: Wenig überraschend sind es meine Haare, durch die ich mich schön fühle. Und vielleicht auch meine Brüste.

7 – Welchen Rat würdest Du den Frauen geben, die uns lesen?

Julie: Tastet Eure Brüste ab und lasst sie untersuchen. Nehmt Eure Gesundheit selbst in die Hand und hört auf Euch. Und wenn Ihr Zweifel habt, lasst sie ärztlich abklären. Lieber einmal zu viel kontrollieren lassen als einmal zu wenig.

„Das Leben hält das Schlimmste genauso wie das Schönste bereit.“

Julies Marke

Turbane, Haarfransen und Haarkränze für Menschen, die ihre Haare verloren haben.

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